Konzert im Wasserpalais

22. August 2010

Gestern gab es gleich zwei Premieren: Zum einen wollte ich schon immer gern mal im Schloss Pillnitz bei Dresden musizieren und zum anderen durften wir beim gestrigen Konzert dort mit einem historischen Cembalo spielen. Beides war sehr eindrucksvoll.

Das Schloss Pillnitz war ja auch bei der Flut 2002 arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Es erstrahlt jetzt in neuem Glanze und lädt die zahlreichen Besucher zum Lustwandeln in Park und Schloss ein. Eine besondere Attraktion ist die riesige Kamelie, deren Mutterpflanze wahrscheinlich der schwedische Botaniker Thunberg 1776 von einer Japanreise nach England mitgebracht hatte. Die Kamelie ist über 200Jahre alt und 8 Meter hoch. Sie wird durch ein eigenes Haus im Winter vor der Kälte geschützt.  

Wasserpalais Pillnitz

Wasserpalais Pillnitz

Das Wasserpalais mit seinen chinesischen Malereien schaut direkt über die Elbe. Zum Glück hörten wir während des Konzertes keinen Dampfer hupen, die Flottenparade war erst später am Abend.   

Doch nun zum Musikalischen: Das Cembalo ist aus der Sammlung des Museums und wurde von Johann Heinrich Gräbner d. J., Dresden 1739 erbaut. Es ist in solch einem guten Zustand, dass es wirklich für Konzerte genutzt werden kann. Ich schwärme jetzt davon. Alles, was man sonst am Cembalo nicht mag, das hat das Instrument gar nicht. Dafür klingt es voll und einfach herrlich, überall ausgeglichen, herrliche Bässe, klare Höhen ohne klingklong. Und es mischt sich trotz seines Klangvolumens unglaublich mit anderen Instrumenten. Unsere Violen d’amore resonieren ja von allein, sind aber oft auch wieder zu leise. Das war gestern alles kein Problem. Ich habe das ganze Konzert und auch die Probe sehr genossen und hoffe, bald mal wieder zu so einem Luxus zu kommen.
Das Konzert selbst war aber auch ein Freude, so ein interessiertes Publikum, was zahlreich erschienen war (nicht nur unsere lieben Verwandten und Freunde!).  

Zu heiß zum Schreiben!

10. Juli 2010

In Ludwigsburg hat die Hitze jetzt Alhambra-Temperaturen erreicht. Eigentlich herrlich, wenn man nicht am Abend im Ordenssaal Händelarien spielen müßte. Aber das wiederum macht solchen Spaß, dass die Hitze hoffentlich nicht zu sehr stört und die Finger nur noch auf dem Griffbrett herumrutschen.

Unser Sänger Michael Maniaci ist etwas ganz besonderes, ein Sopran, der nicht so schrecklich schrill singt wie die, die ich kenne, sondern ganz natürlich hoch, warm und rund. Er spricht auch so hoch. ich habe ein interessantes Interview gefunden: Ein_Sopran_namens_Michael.

Vielleicht komme ich in den nächsten Wochen mal dazu, auch noch über unser schönes Sommerfest zu schreiben, es war richtig gelungen und kein Tropfen Regen störte diesmal unser Fest!

Zum Weiterschreiben ist es jetzt zu heiß…

C’est le dernier soir. Ce faut que tout finisse…(Pelleas Akt IV)

30. Juni 2010

Ja, es ist so, der letzte Abend ist gekommen, wir hatten die beste von allen sieben Aufführungen. Toll, dass es immer besser wurde, nie abschlaffte, immer neue Ziele (und auch alte) gesetzt wurden. Es gab noch Anschiedsdrinks und nun renne ich  etwas  hilflos mitten in der Nacht in meinem Zimmer umher und versuche, alle Dinge aus allen Ecken in meinen Koffer zu quetschen. Ob das gelingt? morgen fahre ich mit dem Zug nach Hause und am Donnerstag zur Sommerfestprobe nach Leipzig! Das ist etwas heftig, solche schnellen Wechsel mag ich nicht, aber was hilft es. Meistens geht es ja gut, ich freu mich auch drauf. Gute Nacht!

Claude Debussy

29. Juni 2010

Schon im letzten Jahr hatte ich Gefallen gefunden, mich bei meinen touristischen Ausflügen auch für Dinge zu interessieren, die konkret mit unserer Musik zu tun haben. So hatte ich ja u.a das Grab von Bizet auf dem Friedhof Pére Lachaise besucht und wir waren am Ende der Tour in Granada und spielten in der Alhambra!!!Das konnte nicht besser zu Carmen passen! Na ganz so wird es in diesem Jahr nicht. Aber ich habe meinen kleinen Ausflug zu Debussy gemacht. Zunächst fuhr ich nach Saint-Germain-en-Laye. Dort gibt es ein wunderschönes Museum von Maurice Denis, bei dem wiederum Debussy ständiger Gast war. Fasziniert hat mich vor allem das Gebäude selbst, ein ehemaliges Armenkrankenhaus aus dem 17.Jahrhundert. Am angenehmsten bei der Hitze war der wunderschöne ruhige Garten. das ist echt ein Tipp, um der hektischen Stadt mal für ein paar Stunden zu entgehen. Aber auch Saint-Germain-en-Laye selbst gefiel mir sehr gut, kleine Geschäfte, alles nah beieinander. Ich konnte schön bummeln und kaufte gleich noch eine bläuliche Seidenjacke fürs Sommerfest. Erstens gefiel sie mir und zweitens hing ein Spruch von André Gide drin, da mußte ich es im Andenken an Debussy kaufen. Abschluß bildete das kleine Museum in Debussys Wohnhaus gleich über der Touristenoffice. Der Eintritt ist frei, man kann viele Fotos und Schriften betrachten. Im Käsegeschäft gegenüber kaufte ich noch sehr leckeren Käse für den Abend.

An einem anderen Tag  besuchte ich nun tatsächlich auch noch Debussys Grab auf dem Friedhof von Passy. Von dort hat man auch einen tollen Blick zum Eiffelturm. Ja, nun müßte ich eigentlich nur noch Maeterlincks “Pelleas et Melisande” lesen, aber das wird mir sicher doch zu viel…

Pelléas Nr.5

25. Juni 2010

Meine Güte, wie die Zeit rast und doch genießen wir die Zeit hier. Leipzig war auch toll, ein wirklich besonderes Konzert. Manchmal konnte man zwischen drin die Stecknadel fallen hören. Ich habe mich sehr gefreut, denn obwohl ich nicht mehr in Leipzig wohne, ist es doch eine Art Heimspiel. Irgendwie möchte man beweisen, dass es nicht falsch war, wegen der Barockmusik und noch dazu auf diesen komischen historischen Instrumenten das Gewandhaus zu verlassen.

Und heute nun die 5.Vorstellung live im Fernsehen Mezzo France. Es war sehr musikalisch, fand ich. Keine Routinevorstellung. Guter Fluss und viele Farben. Langsam weiß man, welches Instrument man ablöst und umgekehrt, wie Wasserwogen fließt die Musik. Mir ist es überhaupt noch nicht langweilig geworden.

Heute mittag war ich noch in der Orangerie und habe mir die Wasserlilien von Monet angesehen, da hörte ich innerlich gleich die Musik von Debussy, der so viel mit Wasser komponiert hat. Entweder stürmt das Meer und tost, oder es tropft ein steter Tropfen in einer Grotte, Wasser faszinierte ihn offensichtlich. Und es gab noch eine kleine, aber sehr schöne Ausstellung von Paul Klee.

In Paris ist der Sommer eingekehrt, es ist wunderbar, wenn man abends noch draußen auf dem Platz stehen und erzählen kann. Es ist noch warm und angenehm, nicht so stickig wie in der Oper.