Matthäus-Passion…ein Rückblick

Inzwischen ist Ostern und die 8 Aufführungen der Matthäus-Passion liegen hinter uns. Zuletzt spielten wir in London im grauen, durch das regnerische Wetter noch dunkler erscheinende Barbican centre. Für mich war es ganz eigenartig, auch noch am Karsamstag, dem Tag der Grabesstille, eine Passion zu spielen, aber durch die vielem Ereignisse unterwegs, fühlte es sich an, als kämen wir alle nach Hause und berichteten auch dort von den Geschehnissen der Passion und unserer Reise.  Immer wieder wurde uns die Nähe der Geschichte mit den heutigen Erlebnissen und  Lebenssituationen bewusst. Manches war so modern und nah, dass es einen fast erschreckte.

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Nach einer kurzen Verschnaufpause nach dem Konzert im friedlichen Luzern hatte ich in Amsterdam noch Zeit für einen schönen Stadtbummel. Die Reiher sitzen dort mitten in den Straßen und fürchten sich gar nicht vor den Passanten. Gut, dass sie mich nicht für einen Fisch gehalten haben!
Aber in einem der schönen Klamottenläden erfuhr ich auch vom Anschlag in Brüssel. Welch ein Schock. Das Konzert wurde dementsprechend intensiv und ausdrucksstark. Plötzlich erreicht dann Musik eine neue Dimension und spricht die Worte,  die man ohne Töne nicht so ausdrücken kann.

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Es wurde lange diskutiert, ob wir nach Brüssel fahren oder nicht. Es war ja direkt der Tag danach. So eine schwere Entscheidung, wie froh war ich, keiner von denen zu sein, die diese Entscheidung treffen müssen. Im Inneren war ich aber erstaunlicherweise ganz überzeugt, dass wir ein Zeichen setzen sollten und keine Angst zulassen sollten.  Gegen 11 Uhr fuhren dann wirklich 2 Busse nach Brüssel und dort hatte man alles gründlichst für uns vorbereitet: ein anderes Hotel, Busse zum Konzertsaal, Obst und Sandwiches hinter der Bühne. Ganz viele Kontrollen, so dass es wahrscheinlich das sicherste Konzert war, was wir jemals gespielt haben.
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Live im Radio Klara und vor vollem Haus war es wirklich wie ein Zusammenhalten gegen diesen Irrsinn. „Aus Liebe will mein Jesu sterben“ , diese Mörder nur aus Rache. Das Festival hatte den Titel „Erbarme dich“. So wurde auch diese Arie wieder ein ergreifender Moment. Wie viele andere auch. „Wir setzen uns mit Tränen nieder“ hatte am Schluss noch einmal eine ganz kraftvolle, sich gegenseitig zurufende Botschaft. Ich war sehr berührt und auch ein bisschen stolz, dass wir uns nicht gedrückt hatten und endlich mit unserer Musik noch mehr tun konnten als normalerweise.

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Karfreitag dann in der Philharmonie in Paris. Vom Karfreitag merkte man in der Stadt nichts, aber der herrliche Saal war absolut ausverkauft und die Aufführung war auch wieder berührend. Die vielen Menschen, die sich einer Sache widmen und gemeinsam die Leidensgeschichte erleben, egal mit welchem Hintergrund und in welcher Anschauung, das ist für mich jedes Mal sehr beeindruckend.

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Nun wünsche ich allen frohe Ostern und bald einen warmen, duftenden Frühling.

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