Rückblick und Vorschau FURCHHEIM – „Fürsten-Musik“ spielt Tafelmusik

„Kennen Sie Furchheim ?“

Mit diesen Worten beginnt Hartmut Schütz seine Kritik zu unserem Konzert in  der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek, zu welchem vorrangig Werke  von Furchheim, aber auch virtuose Geigenmusik von Farina, Westhoff und Walther erklangen. (DNN 12. April 2016)

Anne Schumann & Anette Sichelschmidt

Das Konzert war Teil unseres Projektes „Musikalische Taffel-Bedienung“ von Johann Wilhelm Furchheim. In der Kritik wird seine Musik, aber auch unsere Interpretation sehr gelobt. Das hat mich sehr erfreut, denn so ganz einfach ist diese Art von Consortmusik dann doch nicht. Im Gegensatz zu den technisch viel anspruchsvolleren Geigensonaten, wird bei diesen Suiten das gemeinsame Spielen und Empfinden gefordert.

Fürsten-MusikDas macht natürlich auch gerade viel Spaß und jeder muss seinen Beitrag zum Gelingen des Gesamtwerkes dazu geben.

Leider hat man nie genügend Zeit, um alles in Ruhe auszuprobieren. Und so sind wir sehr froh, dass noch in diesem Monat unser Projekt in Rudolstadt (Konzert am 28. Mai 17 Uhr) und in Weesenstein (Konzert am 29. Mai ebenfalls 17 Uhr) weitergeht. Diesmal wird uns Tobias Hunger noch mit einigen Liedern von Adam Krieger erfreuen.

IMG_4165Ich habe beim Konzert eine kleine Premiere gehabt, ich habe zum ersten Mal ein schwieriges Programm mit Untergriff gespielt, d.h. der Daumen der rechten Hand fasst unter dem Frosch, nicht nur an der Bogenstange an. Für diese Musik schien es wirklich viel passender mit dieser Haltung zu sein. Man kann klarer artikulieren und bekommt so mehr Schwung in den Tanzsätzen.

Andreas Pilger & Klaus Voigt

Ich möchte hier auch noch einmal allen unseren so großzügigen Sponsoren herzlich danken, dass wir unser Projekt durchführen können! Sollte diese Zeilen noch jemand lesen, der auch gerne noch einen Beitrag spenden möchte, wir freuen uns immer über eine kleine Nachricht!

(Fotos von Uta Hartmann)

 

 

Matthäus-Passion…ein Rückblick

Inzwischen ist Ostern und die 8 Aufführungen der Matthäus-Passion liegen hinter uns. Zuletzt spielten wir in London im grauen, durch das regnerische Wetter noch dunkler erscheinende Barbican centre. Für mich war es ganz eigenartig, auch noch am Karsamstag, dem Tag der Grabesstille, eine Passion zu spielen, aber durch die vielem Ereignisse unterwegs, fühlte es sich an, als kämen wir alle nach Hause und berichteten auch dort von den Geschehnissen der Passion und unserer Reise.  Immer wieder wurde uns die Nähe der Geschichte mit den heutigen Erlebnissen und  Lebenssituationen bewusst. Manches war so modern und nah, dass es einen fast erschreckte.

image

Nach einer kurzen Verschnaufpause nach dem Konzert im friedlichen Luzern hatte ich in Amsterdam noch Zeit für einen schönen Stadtbummel. Die Reiher sitzen dort mitten in den Straßen und fürchten sich gar nicht vor den Passanten. Gut, dass sie mich nicht für einen Fisch gehalten haben!
Aber in einem der schönen Klamottenläden erfuhr ich auch vom Anschlag in Brüssel. Welch ein Schock. Das Konzert wurde dementsprechend intensiv und ausdrucksstark. Plötzlich erreicht dann Musik eine neue Dimension und spricht die Worte,  die man ohne Töne nicht so ausdrücken kann.

image

Es wurde lange diskutiert, ob wir nach Brüssel fahren oder nicht. Es war ja direkt der Tag danach. So eine schwere Entscheidung, wie froh war ich, keiner von denen zu sein, die diese Entscheidung treffen müssen. Im Inneren war ich aber erstaunlicherweise ganz überzeugt, dass wir ein Zeichen setzen sollten und keine Angst zulassen sollten.  Gegen 11 Uhr fuhren dann wirklich 2 Busse nach Brüssel und dort hatte man alles gründlichst für uns vorbereitet: ein anderes Hotel, Busse zum Konzertsaal, Obst und Sandwiches hinter der Bühne. Ganz viele Kontrollen, so dass es wahrscheinlich das sicherste Konzert war, was wir jemals gespielt haben.
image

Live im Radio Klara und vor vollem Haus war es wirklich wie ein Zusammenhalten gegen diesen Irrsinn. „Aus Liebe will mein Jesu sterben“ , diese Mörder nur aus Rache. Das Festival hatte den Titel „Erbarme dich“. So wurde auch diese Arie wieder ein ergreifender Moment. Wie viele andere auch. „Wir setzen uns mit Tränen nieder“ hatte am Schluss noch einmal eine ganz kraftvolle, sich gegenseitig zurufende Botschaft. Ich war sehr berührt und auch ein bisschen stolz, dass wir uns nicht gedrückt hatten und endlich mit unserer Musik noch mehr tun konnten als normalerweise.

image

Karfreitag dann in der Philharmonie in Paris. Vom Karfreitag merkte man in der Stadt nichts, aber der herrliche Saal war absolut ausverkauft und die Aufführung war auch wieder berührend. Die vielen Menschen, die sich einer Sache widmen und gemeinsam die Leidensgeschichte erleben, egal mit welchem Hintergrund und in welcher Anschauung, das ist für mich jedes Mal sehr beeindruckend.

image

Nun wünsche ich allen frohe Ostern und bald einen warmen, duftenden Frühling.

image