Durch einen Zufall bin ich in der Schweiz am Genfer See, oberhalb Vevey liegt ein kleiner Ort Chiesaz, da spielen wir heute ein Konzert. Für mich ist es Premiere: das erste Mal spanische Musik und das erste mal mit Schalmei. Katharina Bäuml spielt sehr schön, ich hätte nie gedacht, dass Schalmei und Geige zusammenpassen könnten, dazu eine Kirchenorgel. Das Wetter ist absolut traumhaft, kein Wölkchen am Himmel, ich blicke auf den ruhigen See herunter. In den Gärten hängen die Bäume voller Äpfel und Birnen, es ist wie im Paradies. Die Schweiz ist eben doch ein Bilderbuch. Morgen dürfen wir in Bulle, am Sonntag noch in Chur spielen. Da lohnt sich der Ausflug richtig.
Webers Freischütz zu den Prom gestern abend war für mich der Abschluß mehrerer Dinge gleichzeitig. Am offensichtlichsten ist die letzte Aufführung dieser Oper, die wir im April schon in Paris gespielt hatten. Aber es war auch der Abschluß unserer schönen Englandzeit mit Urlaub in Cley-next-the-sea, Konzert in Walsingham und nun 3 Tage London mit Freischütz. Und es ist auch der Abschied vom Sommer, die Bäume im Hydepark werden schon bunt, es beginnt, nach Herbst zu riechen.. Nun sitze ich ziemlich müde nach nicht mal vier Stunden Schlaf im Hbf Berlin und warte auf meinen Zug nach Torgau, wo 15Uhr unsere Probe fürs Konzert morgen beginnt. Jetzt werde ich noch was vom Asia Gourmet essen, vielleicht macht das munter. Beim Jetlag hilft so was scharfes immer.
Es ist gelungen, wir sind im Urlaub. Gerade sitzen wir in einem typischen englischen Cafe mit der typisch englischen Hausdame und trinken heiße Schokolade, Earl Grey und essen hausgebackenen Kuchen, herrlich! Sonst gibt es täglich lange Strandspaziergänge, wo man gegen Wind und Wellen kämpft, sandige und steinige Strände, flach und steil, hier gibt es alles. Wir genießen die herrliche Luft und lassen unsere Köpfe mal richtig durchblasen. Leider vergeht auch hier die Zeit, aber ich freue mich jetzt erstmal auf heute abend, da gibt es Fisch aus dem Smokehouse hier in Cley-next-the-sea. Morgen wollen wir vielleicht mal auf ein Boot, um die Robben näher zu betrachten. Fotos folgen später.
Nachdem wir den gestrigen Sonntag mit einer schönen Bachkantate im riesigen Berliner Dom beginnen durften, hätte das als Tageshöhepunkt doch durchaus schon genügen können. Aber unser eigentliches Ziel war ja Potsdam Sanssouci. Christine Trinks hatte uns auf eine Aufführung im historischen Schlosstheater im Neuen Palais hingewiesen, in der sie als Madame Orchester auf der Bühne im Kostüm geigen sollte. Das machte uns neugierig, denn wir konnten uns gerade Christine in solch einer Tanzgeigerrolle (komisches Wort!) sehr gut vorstellen. Außerdem war ich noch nie in Sanssouci gewesen. Das klappte nun diesmal aus Zeitmangel auch wieder nicht, aber wir hatten das sogenannte “Vorprogramm” zur Einstimmung auf das Theater gleich mitgebucht. Wenn schon denn schon! Eine direkte Einstimmung war es allerdings nicht, dafür aber eine sehr nette kleine Führung in nächster Umgebung des Neuen Palais. Für uns, die wir zum ersten Mal dort weilten, war es auf alle Fälle sehr interessant. Die Runde endete in den Räumlichkeiten unter dem Theater mit kleinen Häppchen und einem Glas Sekt, also doch eine Einstimmung!
Das Schlosstheater selbst ist wunderhübsch, klein, eine goldene Sonne an der Decke, aufsteigende rote Samtsitze, die sich als gar nicht unbequem herausstellten. Wir saßen im Rang auf den Plätzen der Mittelpreisklasse. Das “Theaterfest auf dem Lande” war eine wahrhaft unterhaltsame Zusammenstellung von französischer Musik, gespielt von einer Geige, einer Flöte, einer Musette, Theorbe und Gitarre sowie Cembalo. Pantomime wechselte mit barocken Tänzen und Gesang. Dazwischen trat ein Puppenspieler mit einem alten Puppentheater und einer lustigen Auswahl von Policinelle-Geschichten auf. Man hatte ständig etwas zu sehen, zu hören, zu schmunzeln, zu lachen, zu träumen. Die Bühne war wie ein Gemälde von Watteau und außerdem war es schön, in diesem kleinen Theater wie in einer anderen Zeit zu sitzen und einfach zu genießen. Wir haben uns köstlich amüsiert und ich kann das Vergnügen nur empfehlen.
Es gibt noch weitere Vorstellungen im September. Herzlichen Dank auch nochmal an Christine, die uns diesen guten Tipp gegeben hatte!!! Und toll gespielt!!! (Beides: auf der Geige und auf der Bühne!)
Keine Angst ( man beachte das “u”): mein letzter freier Tag in Paris führte mich nicht ins Bordelle, sondern u.a. ins Museum von Antoine Bourdelle. Die ganze Anlage war sehr interessant, geprägt von seinen enormen Skulpturen. Außerdem konnte man zwischen diesen Riesen eine Ausstellung von Kleidern der Modedesignerin Madame Gres anschauen. Die Kleider waren sehr wirkungsvoll zwischen den Skulpturen plaziert worden. Ansonsten lief ich sehr viel umher, erledigte letzte Einkäufe und ging am Ende noch ins Kino und sah einen Film von Wim Wenders in 3D über Pina Bausch, den ich in Deutschland schon sehen wollte.
Nun sitze ich in meinem Zimmer und wollte eigentlich mal früher ins Bett gehen, aber ich habe mich bei youtube vertrödelt, indem ich alte Aufnahmen vom Freischütz anhörte. Ich muß sagen, manche Tenöre und manche Tempi sind ja nicht auszuhalten (für meinen Geschmack!). Die Rolle des Kaspar ist oft nicht böse genug. Da gefällt mir unser Gidon Saks doch sehr gut.
Ich stelle hier mal die Max-Arie mit Richard Tauber ein, er hat schon einen herrlichen Schmelz, das gefällt mir sehr gut.
Aufgewachsen bin ich natürlich mit Peter Schreier. Leider nichts bei youtube zu finden, was in Deutschland funtioniert.
Nur Theo Adam als Kaspar, auch aus der Aufnahme, die ich als Kind kannte.