Chapel Hill wie vor einem Jahr

Wir sind in Amerika und wie vor einem Jahr, fast auf den Tag genau in Chapel Hill. Das kleine Universitätsstädtchen hatte mir schon im letzten Jahr gefallen, vor allem wegen der herrlichen bunten Herbstbäume und dem roten Vogel. Heute regnete es leider und mein Parkspaziergang war sehr kurz. Aber Breakfast gab es im gleichen Cafè und gerade eben aßen wir im vegetarischen „Butternutsquash-Restaurant“ , welches ich letztes Jahr durch Zufall gefunden hatte. Heute mittag reservierte ich einen Tisch, aber offensichtlich hatte es kein Orchester-oder Chormitglied bis dahin gefunden, es war ganz leer, wie schade, denn das Essen war wieder sehr gut und frisch zubereitet. Zum Abschluss gab es noch Pumkinpie, ein typisches Dessert für Thanksgiving, was ich erst vor paar Tagen in London kennengelernt hatte.

Morgen gibt es die neunte in der Memorial Hall. Ich bin aber jetzt schon ganz gut an die neue Zeit gewöhnt. Es hilft sehr, zu regelmäßigen Zeiten zu essen, offensichtlich versteht das der Körper am besten.

Während ich schreibe sitze ich in der Lobby unseres herrlichen Hotels, die ganze Zeit spielte jemand Bach solo für Geige aus dem Radio, denn die Beschallung ist hier klassisch, aber ich brauchte lange, um die Chaconne dabei zu erkennen. Etwa eine Stunde sollte ich noch aufbleiben, dann hoffe ich, etwas länger als 4.18Uhr zu schlafen!

Dona nobis pacem – Ende der Messe

Den Abschluss unserer ersten Tour bildete gestern die 10. Missa solemnis in London. Es war kein gewöhnliches Konzert in Barbican Hall, es war ein Gala Konzert, zu dem möglichst viele musikbegeisterte Reiche kommen sollten, denn alle Mitwirkenden hatten auf ihr Honorar verzichtet. Das Benefizkonzert sollte Gelder für das Orchester und den Chor einspielen. Ich weiß nicht, inwieweit das Experiment nun gelungen ist, aber es war auf jeden Fall ein besonders Konzert. Wir spielen ja nicht sehr oft in London und schon gar nicht in einem der großen Konzertsäle. Deshalb war es schon wichtig, dass wir dort unseren Auftritt hatten.

Dona nobis pacem, Beethoven ringt um inneren und äußeren Frieden. Er bedient sich dabei verschiedener musikalischer Elemente, fleht, ruft, tanzt und stampft auch wieder mit dem Fuß auf. Man hört die Artillerie, die Solisten singen einen von Tremolo unterstützten Hilfeschrei, und am Ende kommt noch ein wunderbarer Gefühlsausbruch: Dona nobis pacem, pacem! Ich bin ergriffen, wenn so viele Menschen im Saal und auf der Bühne diese Worte hören und singen und spielen und dabei für genau diesen Moment wirklich Frieden herrscht.

Die Aufführung war vielleicht gar nicht die perfekteste, das kann ich schlecht einschätzen, aber sie hatte diese besonderen Momente und für mich kam ganz stark der revolutionäre Geist Beethovens zum Vorschein, dieses Nichtaufgebenwollen, dieses Sichaufbäumen.

Nun haben wir etwas Ruhe vor unserer Tour nach Amerika, dort werden wir außerdem noch die Neunte spielen.

Agnus Dei

Budapest! Zuerst war Nebel, als wir gestern hier eintrafen. Ich hatte gar keine große Lust, viel herumzulaufen, aber wir fanden am Abend ein schönes Kaffeehaus, wo wir sehr gut aßen, auch wenn gleich daneben ein elektrisches Klavier mich sehr störte, wo war der Zigeunergeiger?

Budapest bei Nacht mit all den funkelnden Lichtern, die aus dem sich langsam lockernden Nebel blitzten…

Konzertsaal in Budapest

Heute schien die Sonne nach morgendlichem Frühnebel. Unser Konzert war in dem neueren modernen Saal, der aber sehr schön klingt. Es ist viel Holz drin. Es machte Spaß, Missa Nr.9 zu spielen. Ich saß ganz nahe bei den Solisten und genoss jeden Ton. Agnus Dei, es beginnt mit Fagotten und Hörnern, dann ein einsames Fagott mit Bass. Es geht unter die Haut, dieser Anfang. Miserere! Die dunklen Farben gefallen mir ja immer am besten. Hier ruft Beethoven um Erbarmen aus tiefster Tiefe. Miserere! Ein Solist nach dem anderen bittet, fleht, dann der Chor, dann einzelne Instrumente. Miserere!

Nun noch einen Drink an der Bar?