Nach fast drei Jahren…

Unglaublich, unsere CD mit Triosonaten der Brüder Johann Gottlieb und Carl Heinrich Graun ist bei cpo erschienen!!! Manches dauert eben (und wird dann hoffentlich gut). Es ist immer eigenartig, wenn nach so langer Zeit eine Aufnahme erscheint. Man hat gewisse Scheu, hineinzuhören. Wie war es damals eigentlich? Ob es gut klingt? Sind die schweren Stellen gelungen? Wie hört es sich von außen an? Aber wenn die ersten Töne durch das Zimmer schallen ist meistens alles wieder ganz lebendig vor einem…

Proben für Graun
Proben für Graun

Wie machen wir denn nun diesen Triller hier? Findest Du das gut so? Ich stelle es mir etwas galanter vor, aber wir können die Stelle auch einfach nochmal spielen und hören, was besser paßt…
Zum Glück wird bei uns nicht zu viel zerredet und vieles bleibt dadurch auch beim Spielen spontan. Aber die Idee, diese Musik nicht mit Cembalo, wie bei unserer ersten Graun-CD, sondern mit Hammerclavier aufzuführen, war mir zu Anfang doch fremd. Die Geigenstimmen sind ausgesprochen virtuos und liegen teilweise sehr hoch, so daß mir manchmal die Perkussion des Cembalos fehlte. Das Continuo auf dem Hammerclavier verlangt eine ganz andere Spielart. Viel mehr eigenständige rechte Hand, so daß zu den beiden Geigen und der Basslinie fast noch eine dritte, improvisierte Stimme hinzukommt. Ich finde, daß Ludger darin ein Meister ist.
Nun wird sich zeigen , wie das Experiment bei den Hörern ankommt. In Berlin, wo die Brüder zum  Schluß beide lebten, wurde mehr und mehr das Clavier zum Musizieren verwendet. Somit zeigt unsere Aufnahme eine interessante Klangwelt dieser Zeit. Erstaunlich, was ein anderes Instrument auch für andere Farben ins Spiel aller bringt.

Beim Hören sehe ich uns auch wieder in Bremen, es war November. Manche Stunden waren ganz schön anstrengend. Durch die spezielle Continuoart mußten wir auch immer lange Strecken spielen, sonst wäre die Linie des Claviers unterbrochen worden. Da mußte man sich schon manchmal strecken:

Graun 06

Wunderschöne Musik, vor allem die langsamen Sätze sind sehr speziell. Für die beiden Geigen ist es ein echtes Zwiegespräch, das in den langsamen Sätzen sich gegenseitig im Lamentieren übertreffen will, in den schnellen sich nach einzelnen Versuchen meist zum gemeinsamen Höhenflug hochschaukelt. Ich habe oft daran gedacht, wie es wohl die Brüder gespielt haben.Oder haben sie gar nicht gemeinsam musiziert? Schade, daß solche Fragen nie beantwortet werden können. Das wäre doch so interessant!

Gedanken danach… und schon wieder Neues

Ja, nun ist schon wieder alles vorbei. Das Konzert mit dem „Troubadour“ war wirklich echt toll. Die Konzertversion hatte eben auch ihre Vorteile und es hat einfach so viel Spaß gemacht, diese herrliche Musik zu spielen.  Manches war wie auf einer Achterbahn im guten Sinne (habe ich selbst ja noch nie gewagt…), da rollt es davon, man steigt auf und wird von der „Rhythmusgruppe“  einfach mitgerissen, auf und ab geht es da, manchmal hält es kurz an um dann wieder weiterzuschwingen, herrlich!!! Die Sänger waren auch super, allen voran natürlich Simone Kermes, ihre Klangfarben waren einfach atemberaubend. Wer sie noch nicht kennt, sollte sich eine ihrer CDs besorgen, in Kürze erscheint die neuste unter dem Titel „LAVA“ , Arien aus Neapel. Hier ein Vorgeschmack:


Es gibt auch noch andere Videos von ihr.

Gestern hatte ich gleich bei meiner Rückkehr noch eine interessante Probe mit Sebastian Knebel. Wir spielen am 10.September im Schumannhaus in Leipzig einen Abend mit Violine und Hammerclavier. (Sicherlich bin ich wegen meines Namens dafür gefragt worden!) Das Programm wird nicht aus Sonaten von Schumann bestehen, sondern soll vielmehr einen Blick auf Kompositionen von Bach und Mozart werfen, so wie diese im Hause Schumann vielleicht musiziert wurden. Das stellt natürlich eine Herausforderung dar, denn Bach mit klassischer Geige und Hammerflügel kann man nicht in ganz barocker Manie spielen, aber wie sonst? So war es gestern sehr spannend, verschiedene Klangfarben für den „Schumannschen“ Bach auszuprobieren. Ich bin gespannt, wie das beim Publikum ankommt. Wir spielen auch noch die wunderschöne erste Sonatine von Schubert.