Bourdelle

Keine Angst ( man beachte das „u“): mein letzter freier Tag in Paris führte mich nicht ins Bordelle, sondern u.a. ins Museum von Antoine Bourdelle. Die ganze Anlage war sehr interessant, geprägt von seinen enormen Skulpturen. Außerdem konnte man zwischen diesen Riesen eine Ausstellung von Kleidern der Modedesignerin Madame Gres anschauen. Die Kleider waren sehr wirkungsvoll zwischen den Skulpturen plaziert worden. Ansonsten lief ich sehr viel umher, erledigte letzte Einkäufe und ging am Ende noch ins Kino und sah einen Film von Wim Wenders in 3D  über Pina Bausch, den ich in Deutschland schon sehen wollte.

Nun sitze ich in meinem Zimmer und wollte eigentlich mal früher ins Bett gehen, aber ich habe mich bei youtube vertrödelt, indem ich alte Aufnahmen vom Freischütz anhörte. Ich muß sagen, manche Tenöre und manche Tempi sind ja nicht auszuhalten (für meinen Geschmack!). Die Rolle des Kaspar ist oft nicht böse genug. Da gefällt mir unser Gidon Saks doch sehr gut.
Ich stelle hier mal die Max-Arie mit Richard Tauber ein,  er hat schon einen herrlichen Schmelz, das gefällt mir sehr gut.

Aufgewachsen bin ich natürlich mit Peter Schreier. Leider nichts bei youtube zu finden, was in Deutschland funtioniert.
Nur Theo Adam als Kaspar, auch aus der Aufnahme, die ich als Kind kannte.

Schweig, schweig, damit dich niemand warnt…

Morgen ist die letzte Aufführung!!!

Durch die Wälder, durch die Auen…

Der Freischütz läuft gut, die Musik ist sehr schön, die Sänger alle sehr gut und viele Klangfarben, vor allem in den Hörnern, erfreuen mich jeden Abend. Es gab auch schon paar Kritiken, die Bühne kommt am schlechtesten weg. Wer ein paar Töne der Ouvertüre hören und auch die Opera comique und die Bühne sehen möchte, kann die Werbung bei youtube finden:

Ansonsten  genieße ich Paris, wo Geld und Zeit zu schnell verloren gehen. Heute früh besuchte ich die Pinakothek, wo eine Ausstellung mit Gemälden der Ermitage und ein mit Gemälden von Esterhazy zu bestaunen war. Herrliche Sachen dabei!  Zwischendrin war eine Dauerausstellung, die mich sehr beeindruckte. Ganz ungewöhnlicherweise wurden hier die Gemälde verschiedenster Epochen nach einem Thema geordnet. So sah man z.B. interessante Gesichter gemalt von alten Meistern und von sehr modernen Malern und auch von welchen dazwischen, was eine ganz neue Sicht auf die Malerei gab.

Montfort l’Amaury – ein Sommersonnentag

Der freie Freitag führte mich auf Empfehlung meines schönen Buches „One hour from Paris“ (darüber schrieb ich schon einige Male!) nach Montfort l’Amaury. Die Fahrt war recht einfach: mit dem Bus 96 von Parmentier bis Montparnass und dann mit dem Zug weiter. nach etwa einer halben Stunde war ich mitten auf dem Lande. Es gab auch gar nichts an diesem Bahnhof, aber ich wußte ja, daß ich ca. 3km laufen mußte, um in den eigentlichen Ort zu gelangen. Eine lange Straße tat sich vor mir auf, nachdem ich einen Kreisverkehr mit Auffahrt zur Autobahn nach Paris ohne Verluste überquert hatte. Am Wegesrand das erste Rapsfeld der Saison.

Es war wie im Hochsommer, nur dass in den Gärten die Blumen dufteten. Die Vögel sangen aus Leibeskräften. So war die lange Straße nicht zu lang und bald erreichte ich einen kleinen mittelalterlichen Ort: Montfort l’Amaury. Leicht bergauf ging ich erstmal in Richtung Kirche und suchte dann die Touristenoffice, die im Buch als sehr freundlich beschrieben wird. Die beiden reizenden Damen, die mir extra aufschlossen, obwohl es offensichtlich ihre Mittagspause war, schienen noch diesselben aus der Beschreibung zu sein, sie gaben mir einen Plan mit allen Erklärungen und so machte ich mich auf die Tour. Zuerst zu einem interessanten Friedhof, dann bergauf zum Turm von Anne de Bretagne. Dort saß ich lange und schaute in die Weite. Unterhalb befindet sich das Wohnhaus von Maurice Ravel, das leider geschlossen war. Aber die Lage und das Haus selbst sind einfach traumhaft, kein Wunder, dass er es Belvedere genannt hat. Überhaupt könnte ich mir gut vorstellen, als Pariser Künstler hier zu wohnen.

Unterhalb des Hauses geht es an der altern Stadtmauer entlang. Nach einem weiteren Rundgang durch die Straßen, wanderte ich zum Schloß Groussay, dem nächsten Ziel meines Ausfluges. Ich war im Voraus etwas enttäuscht, dass nur der Park zu besichtigen ist, aber alles, was mir interessant schien, war im Park zu sehen. Ich war fast die einzige dort, eine riesiger Anlage mit allerlei wunderlichen Details. Es war mir vorher nicht klar gewesen, dass das alte Chateau von 1815 zwar auch noch dort ist, die Extras im Park allerding aus den fünfziger Jahren und später stammen. Der vorgeschriebene Rundgang führt u.a. zu einem nachgeahmten Tatarenzelt, welches im Innern 10 000 Delfter Kachel hat. dann gibt ein wunderschönes kleines Heckentheater und einen chinesischen Teepavillion, in dem ich ganz allein ewig saß. Leider brachte keiner Tee vorbei! Der krönende Abschluß ist ein richtiges Theater, aber ganz klein. Da müßte man was aufführen!

Der Tag war so sonnig und duftete, es war wirklich eine Wonne. Zurück bin ich wieder gelaufen, da waren mehr Autos auf der Straße, aber es war auszuhalten. In Paris bekam ich wieder einen Menschenschock, so viele Leute sind hier am Freitag abend auf den Straßen!