Pfingsten in Melk

Welch ein Glück, dass ich wie schon im vergangenen Jahr wieder zu Pfingsten in Melk sein durfte. Diesmal mit Händel und dem Orchester Musica saeculorum unter Philipp von Steinaecker. Die Kombination dieser herrlichen Musik mit den barocken Bauten und Gemälden ist wunderbar. Plötzlich bekommt die Musik eine neue Dimension. Wir spielen ein Programm mit englischen Arien in der Kirche, das andere mit Concerti grossi im Kolomanisaal. In der Kirche klingt die Geige wie von selbst, als wollte sie in den Klang der vielen musizierenden Engel einstimmen.

Gerade sitze ich zum Abschluss nochmal an einem meiner Lieblingsplätze im Park mit Blick auf die Donau. Die Vögel zwitschern. Die Glocken läuten, man hört schon die Musik aus dem Garten, denn heute sind hier ca. 2500 Ministranten zusammen. Das war ein Gewühle im Innenhof, aber goldig, wie sie alle in ihrem langen Kutten dastanden.

La fête champêtre – ein besonderer Sonntag

Nachdem wir den gestrigen Sonntag mit einer schönen Bachkantate im riesigen Berliner Dom beginnen durften, hätte das als Tageshöhepunkt doch durchaus schon genügen können. Aber unser eigentliches Ziel war ja Potsdam Sanssouci. Christine Trinks hatte uns auf eine Aufführung im historischen Schlosstheater im Neuen Palais hingewiesen, in der sie als Madame Orchester auf der Bühne im Kostüm geigen sollte. Das machte uns neugierig, denn wir konnten uns gerade Christine in solch einer Tanzgeigerrolle (komisches Wort!) sehr gut vorstellen. Außerdem war ich noch nie in Sanssouci gewesen. Das klappte nun diesmal aus Zeitmangel auch wieder nicht, aber wir hatten das sogenannte „Vorprogramm“ zur Einstimmung auf das Theater gleich mitgebucht. Wenn schon denn schon! Eine direkte Einstimmung war es allerdings nicht, dafür aber eine sehr nette kleine Führung in nächster Umgebung des Neuen Palais. Für uns, die wir zum ersten Mal dort weilten, war es auf alle Fälle sehr interessant. Die Runde endete in den Räumlichkeiten unter dem Theater mit kleinen Häppchen und einem Glas Sekt, also doch eine Einstimmung!

Das Schlosstheater selbst ist wunderhübsch, klein, eine goldene Sonne an der Decke, aufsteigende rote Samtsitze, die sich als gar nicht unbequem herausstellten. Wir saßen im Rang auf den Plätzen der Mittelpreisklasse. Das „Theaterfest auf dem Lande“ war eine wahrhaft unterhaltsame Zusammenstellung von französischer Musik, gespielt von einer Geige, einer Flöte, einer Musette, Theorbe und Gitarre sowie Cembalo. Pantomime wechselte mit barocken Tänzen und Gesang. Dazwischen trat ein Puppenspieler mit einem alten Puppentheater und einer lustigen Auswahl von Policinelle-Geschichten auf. Man hatte ständig etwas zu sehen, zu hören, zu schmunzeln, zu lachen, zu träumen. Die Bühne war wie ein Gemälde von Watteau und außerdem war es schön, in diesem kleinen Theater wie in einer anderen Zeit zu sitzen und einfach zu genießen. Wir haben uns köstlich amüsiert und ich kann das Vergnügen nur empfehlen.
Es gibt noch weitere Vorstellungen im September. Herzlichen Dank auch nochmal an Christine, die uns diesen guten Tipp gegeben hatte!!! Und toll gespielt!!! (Beides: auf der Geige und auf der Bühne!)

Montfort l’Amaury – ein Sommersonnentag

Der freie Freitag führte mich auf Empfehlung meines schönen Buches „One hour from Paris“ (darüber schrieb ich schon einige Male!) nach Montfort l’Amaury. Die Fahrt war recht einfach: mit dem Bus 96 von Parmentier bis Montparnass und dann mit dem Zug weiter. nach etwa einer halben Stunde war ich mitten auf dem Lande. Es gab auch gar nichts an diesem Bahnhof, aber ich wußte ja, daß ich ca. 3km laufen mußte, um in den eigentlichen Ort zu gelangen. Eine lange Straße tat sich vor mir auf, nachdem ich einen Kreisverkehr mit Auffahrt zur Autobahn nach Paris ohne Verluste überquert hatte. Am Wegesrand das erste Rapsfeld der Saison.

Es war wie im Hochsommer, nur dass in den Gärten die Blumen dufteten. Die Vögel sangen aus Leibeskräften. So war die lange Straße nicht zu lang und bald erreichte ich einen kleinen mittelalterlichen Ort: Montfort l’Amaury. Leicht bergauf ging ich erstmal in Richtung Kirche und suchte dann die Touristenoffice, die im Buch als sehr freundlich beschrieben wird. Die beiden reizenden Damen, die mir extra aufschlossen, obwohl es offensichtlich ihre Mittagspause war, schienen noch diesselben aus der Beschreibung zu sein, sie gaben mir einen Plan mit allen Erklärungen und so machte ich mich auf die Tour. Zuerst zu einem interessanten Friedhof, dann bergauf zum Turm von Anne de Bretagne. Dort saß ich lange und schaute in die Weite. Unterhalb befindet sich das Wohnhaus von Maurice Ravel, das leider geschlossen war. Aber die Lage und das Haus selbst sind einfach traumhaft, kein Wunder, dass er es Belvedere genannt hat. Überhaupt könnte ich mir gut vorstellen, als Pariser Künstler hier zu wohnen.

Unterhalb des Hauses geht es an der altern Stadtmauer entlang. Nach einem weiteren Rundgang durch die Straßen, wanderte ich zum Schloß Groussay, dem nächsten Ziel meines Ausfluges. Ich war im Voraus etwas enttäuscht, dass nur der Park zu besichtigen ist, aber alles, was mir interessant schien, war im Park zu sehen. Ich war fast die einzige dort, eine riesiger Anlage mit allerlei wunderlichen Details. Es war mir vorher nicht klar gewesen, dass das alte Chateau von 1815 zwar auch noch dort ist, die Extras im Park allerding aus den fünfziger Jahren und später stammen. Der vorgeschriebene Rundgang führt u.a. zu einem nachgeahmten Tatarenzelt, welches im Innern 10 000 Delfter Kachel hat. dann gibt ein wunderschönes kleines Heckentheater und einen chinesischen Teepavillion, in dem ich ganz allein ewig saß. Leider brachte keiner Tee vorbei! Der krönende Abschluß ist ein richtiges Theater, aber ganz klein. Da müßte man was aufführen!

Der Tag war so sonnig und duftete, es war wirklich eine Wonne. Zurück bin ich wieder gelaufen, da waren mehr Autos auf der Straße, aber es war auszuhalten. In Paris bekam ich wieder einen Menschenschock, so viele Leute sind hier am Freitag abend auf den Straßen!