Montfort l’Amaury – ein Sommersonnentag

Der freie Freitag führte mich auf Empfehlung meines schönen Buches „One hour from Paris“ (darüber schrieb ich schon einige Male!) nach Montfort l’Amaury. Die Fahrt war recht einfach: mit dem Bus 96 von Parmentier bis Montparnass und dann mit dem Zug weiter. nach etwa einer halben Stunde war ich mitten auf dem Lande. Es gab auch gar nichts an diesem Bahnhof, aber ich wußte ja, daß ich ca. 3km laufen mußte, um in den eigentlichen Ort zu gelangen. Eine lange Straße tat sich vor mir auf, nachdem ich einen Kreisverkehr mit Auffahrt zur Autobahn nach Paris ohne Verluste überquert hatte. Am Wegesrand das erste Rapsfeld der Saison.

Es war wie im Hochsommer, nur dass in den Gärten die Blumen dufteten. Die Vögel sangen aus Leibeskräften. So war die lange Straße nicht zu lang und bald erreichte ich einen kleinen mittelalterlichen Ort: Montfort l’Amaury. Leicht bergauf ging ich erstmal in Richtung Kirche und suchte dann die Touristenoffice, die im Buch als sehr freundlich beschrieben wird. Die beiden reizenden Damen, die mir extra aufschlossen, obwohl es offensichtlich ihre Mittagspause war, schienen noch diesselben aus der Beschreibung zu sein, sie gaben mir einen Plan mit allen Erklärungen und so machte ich mich auf die Tour. Zuerst zu einem interessanten Friedhof, dann bergauf zum Turm von Anne de Bretagne. Dort saß ich lange und schaute in die Weite. Unterhalb befindet sich das Wohnhaus von Maurice Ravel, das leider geschlossen war. Aber die Lage und das Haus selbst sind einfach traumhaft, kein Wunder, dass er es Belvedere genannt hat. Überhaupt könnte ich mir gut vorstellen, als Pariser Künstler hier zu wohnen.

Unterhalb des Hauses geht es an der altern Stadtmauer entlang. Nach einem weiteren Rundgang durch die Straßen, wanderte ich zum Schloß Groussay, dem nächsten Ziel meines Ausfluges. Ich war im Voraus etwas enttäuscht, dass nur der Park zu besichtigen ist, aber alles, was mir interessant schien, war im Park zu sehen. Ich war fast die einzige dort, eine riesiger Anlage mit allerlei wunderlichen Details. Es war mir vorher nicht klar gewesen, dass das alte Chateau von 1815 zwar auch noch dort ist, die Extras im Park allerding aus den fünfziger Jahren und später stammen. Der vorgeschriebene Rundgang führt u.a. zu einem nachgeahmten Tatarenzelt, welches im Innern 10 000 Delfter Kachel hat. dann gibt ein wunderschönes kleines Heckentheater und einen chinesischen Teepavillion, in dem ich ganz allein ewig saß. Leider brachte keiner Tee vorbei! Der krönende Abschluß ist ein richtiges Theater, aber ganz klein. Da müßte man was aufführen!

Der Tag war so sonnig und duftete, es war wirklich eine Wonne. Zurück bin ich wieder gelaufen, da waren mehr Autos auf der Straße, aber es war auszuhalten. In Paris bekam ich wieder einen Menschenschock, so viele Leute sind hier am Freitag abend auf den Straßen!

Claude Debussy

Schon im letzten Jahr hatte ich Gefallen gefunden, mich bei meinen touristischen Ausflügen auch für Dinge zu interessieren, die konkret mit unserer Musik zu tun haben. So hatte ich ja u.a das Grab von Bizet auf dem Friedhof Pére Lachaise besucht und wir waren am Ende der Tour in Granada und spielten in der Alhambra!!!Das konnte nicht besser zu Carmen passen! Na ganz so wird es in diesem Jahr nicht. Aber ich habe meinen kleinen Ausflug zu Debussy gemacht. Zunächst fuhr ich nach Saint-Germain-en-Laye. Dort gibt es ein wunderschönes Museum von Maurice Denis, bei dem wiederum Debussy ständiger Gast war. Fasziniert hat mich vor allem das Gebäude selbst, ein ehemaliges Armenkrankenhaus aus dem 17.Jahrhundert. Am angenehmsten bei der Hitze war der wunderschöne ruhige Garten. das ist echt ein Tipp, um der hektischen Stadt mal für ein paar Stunden zu entgehen. Aber auch Saint-Germain-en-Laye selbst gefiel mir sehr gut, kleine Geschäfte, alles nah beieinander. Ich konnte schön bummeln und kaufte gleich noch eine bläuliche Seidenjacke fürs Sommerfest. Erstens gefiel sie mir und zweitens hing ein Spruch von André Gide drin, da mußte ich es im Andenken an Debussy kaufen. Abschluß bildete das kleine Museum in Debussys Wohnhaus gleich über der Touristenoffice. Der Eintritt ist frei, man kann viele Fotos und Schriften betrachten. Im Käsegeschäft gegenüber kaufte ich noch sehr leckeren Käse für den Abend.

An einem anderen Tag  besuchte ich nun tatsächlich auch noch Debussys Grab auf dem Friedhof von Passy. Von dort hat man auch einen tollen Blick zum Eiffelturm. Ja, nun müßte ich eigentlich nur noch Maeterlincks „Pelleas et Melisande“ lesen, aber das wird mir sicher doch zu viel…

Johanniterburg Kühndorf

Endlich komme ich dazu, ein paar meiner Fotos hier einzustellen, die ich am 4.Oktober auf der Johanniterburg bei Meiningen fotografiert hatte. Wir waren zum „Güldenen Herbst“ mit unserem „Bella Sirena“ Programm in diese Burg eingeladen worden. Herrliche alte italienische Musik in alten verwunschenen Mauern, dazu Lesungen von Niklas Trüstedt aus dem Decameron. Wie paßte das so wunderbar zusammen! Leider konnte ich nicht am anschließenden Menü (vom Hausherren selbst zubereitet!) teilnehmen, da ich schon wieder ganz früh nach London fliegen mußte, aber ich genoß  diese Art von Konzert auch so in vollen Zügen. Wie immer, wenn Ort und Musik zusammenpassen, fühlt sich auch das Publikum (von uns ganz zu schweigen) sehr wohl. Ich kann die Burg sehr für einen Ausflug empfehlen, es gibt sogar Gästezimmer und Ferienwohnungen dort. Das junge Ehepaar ist unglaublich nett.  Auf ihrer Homepage kann man alle Infomationen finden. Ich freue mich schon auf das nächste Mal, vielleicht in einer etwas sonnigeren Stunde…