Nach Bach und Bamberg nun Beuron

Um das von uns doch sehr entfernt liegende Beuron zu erreichen, beschlossen wir, langsam nach Süden zu reisen. Erstes Ziel war Arnstadt. Fast jedes Jahr gelingt es mir nicht, ein Konzert des MDR-Musiksommers anzuhören, aber diesmal bot sich die Gelegenheit in Arnstadt. Auf dem Programm standen zwei Bach-Kantaten und eine der kleinen Messen. Peter Harvey (Bass) hatte mit seinem neuen Magdalena-Consort eigentlich eine meiner Lieblingssängerbesetzung zusammengestellt: Gilian Keith, Robin Blaze und James Gilchrist- was will man mehr! Und so war ihr Gesang auch ausgesprochen schön, angenehm und ausdrucksstark. Ich kannte natürlich auch die englischen Musiker. Es ist für mich immer wieder wichtig, ein Konzert als „normaler“ Zuhörer zu besuchen, nicht als kritischer Kollege. Masn kann ja auch mal was kritisieren, aber das Musikerlebnis sollte dadurch nicht getrübt werden. Ich kann sehr gut zuhören und genießen, auch wenn mal was nicht ganz so gelingen sollte. Am nächsten Morgen ging es weiter nach Würzburg zum Tantenbesuch mit Sekt, Würstchen, leckerem Frankenwein (rot) und Kuchen ( Es war ja Klaus‘ Geburtstag!) und dann nach Bamberg. Endlich haben wir die Einladung von Ellners mal wahrgenommen! Der Abend war herrlich, wir saßen im Biergarten (dort heißt es „auf dem Keller“!) und lauschten der Schul-Bigband. Am nächsten Morgen besichtigten wir Bamberg, was uns ausgesprochen gut gefiel. Da kann man auch nochmal hinfahren!

Am Abend erreichten wir mit einigen Unterbrechungen gewollter und ungewollter Art dann die Idylle Beuron. Noch nie war ich zuvor in die Nähe des Oberen Donautals gelangt. Das Kloster liegt im stillen Tal und hat eine wunderschöne Kirche. Die Mönche kamen auch zu unserem Konzert und ich frage mich, ob es nicht komisch für sie war, plötzlich den Luzifer singen zu hören…Jemand sagte, sie hätten gesagt, sie fürchten sich nicht. Während des Konzertes tauchten immer mal ein paar Köpfe auf den oberen Emporen oder hinter dem Orchester auf, es war ein bißchen wie bei „Der Name der Rose“. Aber sie waren rührend. Am nächsten Morgen war auch nochmal die unglaubliche Stille zu spüren. Wir waren am Sonntag nach der Messe auf einen Berg gestiegen und hatten die Ausblicke aufs Kloster genossen, man sieht es auf dem Foto nur zart…

Blick auf Beuron
Blick auf Beuron

Musizierende Engel

San Jeronimo
Real Monasterio San Jeronimo

Das Kloster San Jeronimo hatte es mir aus verschiedenen Gründen beim letzten Mal angetan. Ich wollte unbedingt wieder hin. Und es war wieder so: die Stille im Kreuzgang, die nur durch einige Vögel und den fernen Gesang der Nonnen unterbrochen wird, dazu der Duft der Orangenbäume im Innenhof und die Kühle des Gebäudes sind von solch einer starken Atmosphäre, daß man gar nicht wieder weggehen möchte. Ein grandioser Gegensatz zur Schlichheit draußen ist die Kirche selbst, alle Deckenabschnitte sind mit Engeln bemalt,  von denen etliche musizieren. Auch an den Seitenwänden der Kirche finden sich Gemälde, die teilweise mehr nach einem fröhlichen Fest als nach ernsten Themen aussehen. Die Krönung ist ein riesiger Altar mit Gold, der der Kirche die Größe und Würde gibt. Und dann wieder die Schlichheit draußen im Kreuzgang. Schon beim letzten Mal waren mir Kacheln im Fußboden aufgefallen, die einen Namen und eine Jahreszahl trugen. Hier ist nun mal eine von einem heiligen Jose:

                   Ein heiliger Jose

Jeder, der in Granada etwas mehr Zeit hat, sollte diesen Ort, vor allem auch wegen der Kühle und Stille unbedingt aufsuchen. Nur wenige Touristen finden den Weg dahin.

Nun bin ich gut erholt für die letzte Carmen, aber auch sehr traurig, daß alles plötzlich zum Ende kommt. Aber das Leben besteht eben nicht nur aus Carmen, Lilias Pastia und arabischen Märchen. Aber die vielen Inspirationen und Bilder bleiben für den Alltag und wer weiß, ob uns das Glück nicht doch mal wieder so etwas Außergewöhnliches beschert.

Près des remparts de Séville
Chez mon ami Lilias Pastia
J’irai danser la Seguedille
Et boire du Manzanilla…

 

Rosen an der Alhambra
Rosen an der Alhambra

L’Amour est un oiseau rebelle
Quel nul ne peut apprivoiser…
L’Amour est enfant de bohème,
Il n’a jamais connu de loi,
Si tu ne m’aimes pas, je t’aime;
Si je t’aime, prends garde à toi!

Ausflug zur wunderschönen Abbaye de Royaumont

Stille in der Abbaye Royaumont
Stille in der Abbaye Royaumont

Heute am freien Tag hatte ich eigentlich alles mögliche Andere geplant, aber die Sonne lachte so einladend, daß ich mich doch entschloß, einen schönen Ausflug zu machen. Letzte Woche hatte ich ein sehr schönes Buch gekauft: „An hour from Paris“ von Annabel Simms. Absolut empfehlenswert für alle, die etwas Zeit in Paris haben und mal aus dem Gedränge der Stadt heraus wollen. Sie beschreibt sehr gut etwa 20 Ausflugsziele um Paris herum, die man innerhalb einer Stunde oder weniger erreichen kann. Da gibt es unbekanntere Schlösser zu entdecken, kleine Spaziergänge auf dem Lande, Bootstouren und traditionelle französische Küche. Sie ergänzt ihre Tipps sehr übersichtlich mit allen notwendigen Reiseinformationen. Bei den vielen Bahnhöfen hier in der Stadt ist das sehr hilfreich. Alles auf englisch, aber sehr einfach zu benutzen.

Ankunft in Seugy
Ankunft in Seugy
 Aber zurück zu meinem Tag:
 Der Zug fährt vom Gare du Nord.
Es  dauert etwa eine Stunde und man ist mitten auf dem
Lande. Ein kleiner Pfad führt in den Ortskern und bald ist man auf einem schattigen Waldweg.Die Beschreibung im Buch war gut zu verstehen und so wanderte  ich fröhlich durch sommerliche Gefilde – ein  Ferientag, wie man ihn sich manchmal wünscht! Am Feldrand gab es ein kleines Picknick, was ich zum Glück noch mitgenommen hatte, denn im Ort und auch später im Kloster war alles geschlossen. 

Feld mit Mohn

Es war ein richtiger Sommertag. Bald erreichte ich das Gelände der Abbaye. Wie auch schon in Ecouen waren etliche Schulklassen unterwegs, es ist wirklich schön, wie die Franzosen mit ihren Kindern Kunstwerke ansehen. Ich war sehr beeindruckt vom Anblick der Gebäude. Man erreicht das Kloster  durch eine Allee an einem Kanal, der zur Bewässerungsanlage gehört.
Ich nahm mir  Zeit, um die ehemalige Kirche (ein riesiges Schiff, was jetzt durch kleine Säulen angedeutet wird, zerstört wurde es zur Französischen Revolution…) zu durchschreiten.
Hier auf dem Bild  sieht man die Seite zum Kreuzgang hin.
Ich stehe in der großen Kirche
Anne steht in der großen Kirche
 
Ich habe die Stille und die Atmosphäre dieser wunderbaren Mauern sehr genossen. Die Gedanken können sich da wieder sortieren und neu finden.
Kreuzgang
Kreuzgang

Es ist die Reise wert und durch die Verbindung mit der etwa einstündigen Wanderung wird es zum richtigen Tagesausflug.

Abends könnte man dann noch Paris erkunden, aber dazu bin ich heute zu müde.