Benedictus

Beethoven und Don Giovanni in Wien

Anne im Stadtpark WienEs waren sehr schöne Tage in Wien, ein kleiner Urlaub mit Herbstsonne, böhmischer Pflaumensoße im Restaurant „Powidl“ in der Margaretenstraße, alten Musikinstrumenten in der Neuen Burg und einem Frühstück im Café Schwarzenberg. Wir hatten billige Karten für die Oper gekauft und sahen von der Loge II im ersten Rang, recht nahe der Bühne, Don Giovanni. Man musste sich sehr recken und strecken, um wenigstens die linke Seite der Bühne sehen zu können, aber die ältere Dame neben uns, eine Wienerin mit vier verschiedenen Abos, organisierte unsere Loge bestens und wir genossen den Abend als richtige Opernbesucher.

Am nächsten Tag war es bewölkt, Zeit für die Instrumentenausstellung in der Neuen Burg, die ich bisher noch nicht gesehen hatte. Da gab es viele spannende Dinge zu betrachten. Man bekommt einen Audio Guide mit vielen Hörbeispielen. Geigen von Lanner und Leopold Mozart, viele Claviere und ausgefallene Instrumente. Die Räumlichkeiten sind faszinierend. Wir verbrachten einige Zeit dort. Da aber die Eintrittskarte auch für die Kunstsammlungen im anderen Gebäude galt (die 12 Euro lohnen sich wirklich!), gingen wir nach kleiner Stärkung im Café auch noch dort hinein und bestaunten alte Meister.

Hundertwasser stand auch noch auf meiner Liste, nicht nur das Haus selbst, sondern auch seine Ausstellung im Kunst Haus Wien. Dort gibt es außerdem wechselnde Ausstellungen, diesmal eine interessante mit Fotos und Experimenten aus Fotoautomaten.

Das Konzerthaus sah verändert aus, schick mit Gold und Rot. Das Konzert war sehr schön, ausverkauft, toller Klang, im Hinterkopf die Gedanken, dass Beethoven in dieser Stadt gelebt hat…

Das Benedictus mit dem herrlichen Geigensolo wird jedes Mal zum Höhepunkt des Werkes. Die lauten Stellen sind vergessen, hier hat die zarte schwebende Geige das Sagen.

Sanctus

Kulturkasino in BernGestern war wohl der anstrengendste Tag unserer ganzen Tour. Wir fuhren früh gemütlich mit dem Zug über Genf nach Bern. Dort hatten wir aber kein Hotel und mussten die Zeit bis zur Probe so durch die Stadt laufen, etwas essen oder wie manche in der Garderobe schlafen. Die Sonne kam heraus, ich setze mich noch in ein Straßencafé. Das Kulturkasino in Bern hat einen sehr schönen Saal. Es war ganz voll und das Publikum wieder sehr begeistert. Zum Glück war ich im Konzert nicht mehr so müde.

Sanctus ist eines der schönsten Stücke der Missa, vor allem der Anfang. Klangschön beginnen die tiefen Streicher mit den Fagotten, das Solistenquartett verkündet zart und mit Andacht: Sanctus! Fast beschwörend steigert es sich am Schluss wie in einen Sprechgesang, darunter flimmernde Töne der tiefen Streicher. Daraus entspringt eine virtuose Passage, welche wiederum immer beschwingter als Hosanna weiter geführt wird, bis am Ende wieder alles zur Ruhe kommt und wiederum nur die tiefen, dunklen Instrumente übrig bleiben, diesmal sogar ganz ohne Gesang. Aus dieser wunderbaren Klangwolke entsteht dann das Benedictus, aber dazu später mehr.

Zunächst haben wir eine wohlverdiente Beethovenpause und sehen uns alle in ein paar Tagen in Wien wieder. Ich selbst sitze schon im Zug dorthin und freue mich sehr auf diesen kleinen Urlaub dazwischen.

Haydn und Christkindlmarkt in Wien

Wiener Christkindlmarkt am Rathaus
Wiener Christkindlmarkt am Rathaus

Nach unserem langen Reisetag von Lyon über Düsseldorf kamen wir doch noch rechtzeitig in Wien an, so daß ich meinen geplanten Abendspaziergang zum Weihnachtsmarkt auch noch machen konnte. Unglaublich, daß hier der Markt schon seit Mitte November geöffnet ist, aber für mich ist das natürlich sehr schön. Jedes Jahr freue ich mich auf die verschiedenen Märkte und bin immer sehr traurig, wenn ich zur Adventszeit nicht in Deutschland bin. Nirgendwo ist es zum Advent so schön wie bei uns oder eben auch hier in Wien. Ich war ganz benommen, wie ein kleines Kind, daß sich auf Weihnachten mit all dem Glanz und den Lichtern freut. Die ersten Stände waren bereits am Karlsplatz. Dort gefiel es mir sehr gut. Da werde ich morgen nochmal hingehen. Dann gab es einen Adventsmarkt an den Museen und schließlich erreichte ich auch noch den berühmten am Rathaus. Welch ein Lichterglanz! Es ist wirklich faszinierend, aber die Stände dort waren nicht so überraschend, da merkt man den touristischen Rummel schon ein bißchen. Aber egal, es gab Glühwein und einen leckeren Steyerischen Kürbiskuchen. Ich habe ja meinen täglichen Spaziergang doch noch machen können, denn Wien ist nicht gerade klein…
Unser Hotel am Konzerthaus ist sehr schön, es gibt sogar Wasserkocher und Tee, eine Stunde freies Internet und L’Occitane im Bad! Ich werde unter einem Gemälde von Klimt schlafen. Ich freue mich schon sehr auf den Musikverein morgen. Es ist einer der schönsten Konzertsäle überhaupt und bei meinem ersten „Westbesuch“  zu Ostern 1989 spielten wir hier mit Claudio Abbado und dem Gustav-Mahler-Orchester. Damals bin ich schon in Ohnmacht gefallen, als ich die Kartenpreise sah…
Morgen Haydns Jahreszeiten!    „Vor Freude klopft sein Herz…“

 

 

Musikverein Wien
Musikverein Wien